Risikobewertung für Sehnenrisiko bei Fluoroquinolonen
Ihre Risikofaktoren
Wenn Sie ein Antibiotikum wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin verschrieben bekommen, denken Sie vielleicht an eine schnelle Heilung einer Harnwegs- oder Lungeninfektion. Doch hinter dieser Wirkung verbirgt sich ein gefährliches Risiko, das viele Ärzte und Patienten noch immer unterschätzen: Fluoroquinolone können Sehnenrisse verursachen - manchmal innerhalb von Tagen, sogar nach nur einer einzigen Tablette.
Was genau passiert in der Sehne?
Fluoroquinolone greifen nicht nur Bakterien an, sie stören auch die natürliche Reparatur von menschlichem Gewebe. Die Sehnen, besonders die Achillessehne, sind besonders anfällig. Studien zeigen, dass bis zu 90 % aller Fälle von Fluoroquinolon-induzierter Sehnenentzündung genau diese Sehne betreffen. Warum? Weil sie ständig unter Belastung steht und nur langsam regeneriert. Die Antibiotika unterbrechen die Zellenergieproduktion in den Sehnenzellen, indem sie die Mitochondrien schädigen. Gleichzeitig aktivieren sie Entzündungsbotenstoffe wie Stickstoffmonoxid, die das Gewebe weiter angreifen. Es ist, als würde man ein Gebäude mit einer schwachen Fundamentstruktur bauen und dann noch die Baustellenmaschinen laufen lassen - es bricht einfach zusammen.Wer ist besonders gefährdet?
Es ist nicht jeder gleich betroffen. Das Risiko steigt dramatisch bei bestimmten Gruppen:- Menschen über 60 Jahre: Das Risiko verdoppelt oder verdreifacht sich mit jedem weiteren Lebensjahrzehnt. Bei über 80-Jährigen ist das Risiko bis zu 20-mal höher.
- Patienten, die Kortikosteroide einnehmen - etwa bei Asthma, Rheuma oder nach Transplantationen: Die Kombination erhöht das Risiko für einen Sehnenriss um das 46-Fache.
- Diabetiker: Hoher Blutzucker schwächt das Bindegewebe, und Fluoroquinolone beschleunigen diesen Prozess.
- Menschen mit Nierenproblemen: Die Medikamente werden langsamer abgebaut, bleiben länger im Körper und wirken intensiver.
- Personen mit vorherigem Sehnenriss oder chronischer Sehnenentzündung: Die Sehne ist bereits geschwächt - ein weiterer Schlag kann sie zum Bruch bringen.
Ein wichtiger Punkt: Frauen scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Männer, aber warum, ist noch unklar. Vielleicht spielt Hormonverteilung oder Muskelmasse eine Rolle - Forscher arbeiten daran.
Wie schnell kann es passieren?
Viele glauben, Nebenwirkungen treten erst nach Wochen auf. Bei Fluoroquinolonen ist das anders. Die ersten Anzeichen - Schmerzen, Steifheit, leichte Schwellung - können schon nach 48 Stunden auftreten. Die meisten Fälle treten innerhalb der ersten vier Wochen auf. Aber es gibt auch Fälle, in denen der Riss erst Wochen oder Monate nach Absetzen des Medikaments passiert. Das macht es schwer, den Zusammenhang zu erkennen. Ein Patient nimmt das Antibiotikum, fühlt sich besser, denkt, alles ist vorbei - und dann, beim Treppensteigen oder beim Sport, knallt es. Plötzlich kann er nicht mehr auf dem Fuß stehen.Welche Fluoroquinolone sind am gefährlichsten?
Nicht alle Fluoroquinolone sind gleich. Laut Daten aus dem internationalen Arzneimittelsicherheitssystem VigiBase sind:- Levofloxacin: 50 % der Fälle
- Ciprofloxacin: 38 % der Fälle
- Moxifloxacin: 5 % der Fälle
Das bedeutet: Wer Ciprofloxacin bekommt, hat fast doppelt so hohe Chancen auf einen Sehnenriss wie mit Moxifloxacin. Aber: Selbst die „sichereren“ Varianten sind nicht risikofrei. Die FDA und die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) warnen seit Jahren: Kein Fluoroquinolon ist sicher, wenn andere Antibiotika möglich sind.
Warum wird es trotzdem verschrieben?
Fluoroquinolone wirken schnell und breit gegen viele Bakterien. Deshalb wurden sie jahrelang als „Wunderwaffe“ gegen hartnäckige Infektionen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfekte oder sogar Anthrax eingesetzt. In den USA werden jährlich rund 25 Millionen Rezepte dafür ausgestellt. Doch die Regulierungsbehörden haben sich geändert. Die britische MHRA hat seit 2019 strikte Regeln: Fluoroquinolone dürfen nur noch bei schweren, lebensbedrohlichen Infektionen verschrieben werden - und nur, wenn kein anderes Antibiotikum hilft. In Deutschland und der EU gilt ähnliches. Doch viele Ärzte verschreiben sie immer noch zu leichtfertig - etwa bei einer einfachen Blasenentzündung oder einer leichten Bronchitis. Das ist nicht mehr akzeptabel.Was tun, wenn Sie Schmerzen spüren?
Wenn Sie ein Fluoroquinolon einnehmen und plötzlich Schmerzen in der Ferse, dem Knie oder der Schulter verspüren - stoppen Sie sofort. Nicht abwarten. Nicht „mal sehen“. Kein Sport. Kein Laufen. Kein Treppensteigen. Gehen Sie sofort zum Arzt. Sehnenentzündung kann innerhalb von zwei Wochen in einen vollständigen Riss übergehen. Die meisten Patienten berichten, dass der Schmerz zunächst wie eine überanstrengte Sehne wirkt - aber er wird nicht besser, sondern schlimmer. Ein Riss ist nicht nur schmerzhaft, er erfordert oft eine Operation und Monate Rehabilitation. Manche Patienten bleiben dauerhaft eingeschränkt.Was ist mit der japanischen Studie, die kein Risiko fand?
Ja, es gibt eine Studie aus Japan, die 2022 behauptete, Fluoroquinolone seien nicht mit Sehnenrissen verbunden. Aber diese Studie hatte einen schwerwiegenden Fehler: Sie verglich Patienten mit sich selbst - also, ob jemand nach der Einnahme einen Riss hatte, verglichen mit dem Zeitraum davor. Das ist nicht zuverlässig, weil viele Faktoren wie Alter, Bewegung oder andere Medikamente sich im Laufe der Zeit ändern. Andere Studien mit Millionen von Patienten aus den USA, Großbritannien und Taiwan zeigen eindeutig: Das Risiko ist real und signifikant. Die japanische Studie ist ein Ausreißer - kein Beweis für Sicherheit.
Was ist die Alternative?
Es gibt viele andere Antibiotika, die genauso wirksam - und viel sicherer - sind:- Bei Harnwegsinfektionen: Nitrofurantoin, Fosfomycin, Trimethoprim
- Bei Lungenentzündung: Amoxicillin, Doxycyclin, Makrolide wie Azithromycin
- Bei Hautinfektionen: Cephalexin, Clindamycin
Die Leitlinien der Infectious Diseases Society of America (IDSA) von 2023 empfehlen jetzt klar: Fluoroquinolone nur als letzte Option - nicht als erste Wahl. Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Fluoroquinolon verschreibt, fragen Sie: „Gibt es ein anderes Medikament, das genauso wirkt, aber ohne das Risiko eines Sehnenrisses?“
Was passiert, wenn es zu einem Riss kommt?
Ein vollständiger Sehnenriss - besonders der Achillessehne - ist eine Notfallsituation. Symptome: Plötzlicher, heftiger Schmerz, Knallgeräusch, nicht mehr auf den Zehen stehen können, hängender Fuß. Sofortiger Arztbesuch. Behandlung: Entweder Operation oder langwierige Immobilisierung mit Gips oder orthopädischem Schuh. Die Genesung dauert mindestens sechs Monate. Viele Patienten können nie wieder so laufen wie vorher. Einige brauchen jahrelange Physiotherapie. Und trotzdem bleibt oft eine dauerhafte Schwäche.Wie schützen Sie sich?
- Fragen Sie immer: „Ist dieses Antibiotikum wirklich nötig?“
- Wenn Sie über 60 sind, nehmen Sie Kortikosteroide ein oder haben Diabetes - lassen Sie sich ein anderes Antibiotikum verschreiben.
- Lesen Sie die Beipackzettel - die Warnungen sind nicht nur klein gedruckt, sie sind wichtig.
- Wenn Sie Schmerzen in einer Sehne haben, während Sie ein Fluoroquinolon einnehmen: STOPPEN SIE und rufen Sie Ihren Arzt an.
- Vermeiden Sie intensive körperliche Aktivität während der Einnahme - selbst wenn Sie sich fit fühlen.
Ein Antibiotikum ist kein Spielzeug. Es ist ein Werkzeug - und wie jedes Werkzeug kann es schaden, wenn es falsch verwendet wird. Fluoroquinolone gehören in die Notfallkiste - nicht in die Erstlinie.
Kann ein Sehnenriss auch ohne Sport passieren?
Ja. Viele Patienten erleiden einen Sehnenriss während ganz normaler Alltagsbewegungen - beim Treppensteigen, beim Aufstehen vom Stuhl oder beim Gehen. Es ist nicht notwendig, Sport zu treiben. Die Sehne ist bereits geschwächt durch das Medikament - eine kleine Belastung reicht aus, um sie zum Reißen zu bringen.
Wann sollte man ein Fluoroquinolon nicht einnehmen?
Man sollte es nicht einnehmen, wenn man über 60 Jahre alt ist, Kortikosteroide nimmt, an Diabetes leidet, Nierenprobleme hat oder bereits einmal eine Sehnenverletzung hatte. Auch bei Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 18 ist es in der Regel kontraindiziert, da es das Bindegewebe beeinträchtigt.
Wie lange bleibt das Risiko nach Absetzen des Medikaments bestehen?
Das Risiko kann bis zu mehreren Monaten nach dem Absetzen bestehen. In einigen Fällen kam es zu Rissen sogar drei bis sechs Monate nach der letzten Einnahme. Deshalb sollte man auch nach Beendigung der Therapie weiterhin auf Schmerzen in den Sehnen achten.
Kann man das Risiko durch Nahrungsergänzungsmittel senken?
Nein. Es gibt keine bewiesenen Nahrungsergänzungsmittel, die das Risiko eines Sehnenrisses durch Fluoroquinolone reduzieren. Magnesium, Kollagen oder Vitamin C helfen nicht. Die einzige wirksame Maßnahme ist: das Medikament vermeiden oder sofort absetzen, sobald Schmerzen auftreten.
Warum wird das Risiko oft unterschätzt?
Weil die Symptome oft langsam kommen und mit Überlastung verwechselt werden. Viele Patienten denken: „Ich habe zu viel trainiert.“ Ärzte denken: „Das ist altersbedingt.“ Die Verbindung zum Antibiotikum wird nicht sofort hergestellt. Außerdem ist die Wirkung nicht sofort sichtbar - sie kommt verzögert. Das führt dazu, dass das Risiko in der Öffentlichkeit und sogar in der Medizin unterschätzt wird.
Jan Tancinco
Ich hab Cipro genommen wegen einer Harnwegsinfektion und nach 3 Tagen knallte es in meiner Ferse - kein Sport, kein Treppensteigen, einfach nur aufstehen. Arzt dachte, ich hätte mich verrenkt. Erst als ich erwähnte, dass ich das Antibiotikum genommen hab, wurde’s ernst. Jetzt bin ich 8 Monate in der Reha und laufe noch immer nicht richtig. Warum sagt das keiner?!
Barry Gluck
Als Physiotherapeut hab ich in den letzten 5 Jahren 17 Fälle von Fluoroquinolon-induzierten Sehnenrissen gesehen. Alle waren über 60, 14 davon nahmen Kortison. Die meisten dachten, es sei 'nur eine Überlastung'. Die Warnungen auf den Beipackzetteln sind so klein, dass man sie mit einer Lupe braucht. Die Pharmafirmen wissen es, aber die Verkaufszahlen sind zu hoch. Ich hab meinem Arzt jetzt einen Zettel mit den Alternativen gegeben - der hat’s genommen und mir gedankt. Endlich mal jemand, der zuhört.
Péter Braun
Das ist einfach nur medizinischer Wahnsinn 🤬. Wer so ein Antibiotikum nimmt, hat keine Ahnung vom eigenen Körper. Jeder, der über 50 ist und Kortison nimmt, sollte sich am Kopf kratzen, bevor er das verschrieben kriegt. Und dann wundern sich die Leute, warum das Gesundheitssystem pleite ist? 🤦♂️ Die Leute denken, Medizin ist ein Supermarkt. Nein. Es ist ein Kampf gegen die eigene Dummheit.
Max Mangalee
Ich hab das letzte Jahr 3 Leute gekannt die wegen Cipro die Achillessehne verloren haben und keiner hat was gesagt. Deutsche Ärzte sind wie Beamte die nur Formulare ausfüllen. Die Welt ist krank und wir sind die Patienten die nicht aufpassen
kerstin starzengruber
Das ist alles von der Pharmaindustrie erfunden, um mehr Geld zu machen. Die Studien sind manipuliert. Die FDA und EMA sind korrupt. Ich hab 2018 Cipro genommen und war danach gesünder als je zuvor. Warum redet keiner über die Wirkung von Mikrowellen und 5G? 🤔👁️
Andreas Rosen
Interessant, dass die japanische Studie als Ausreißer abgetan wird. Aber warum wird dann nicht untersucht, ob es kulturelle Unterschiede gibt? Vielleicht liegt’s an der Ernährung, an der geringeren Muskelmasse, an der Genetik? Die westliche Medizin hat immer nur eine Antwort: Schuld ist das Medikament. Aber was, wenn es die Kombination aus Übergewicht, Bewegungsmangel und schlechtem Schlaf ist? Die Forschung ist zu einseitig.
Max Veprinsky
Die Datenlage ist eindeutig: OR = 4,6 (95% CI: 3,9–5,4) für Sehnenriss bei Konkomitanz von Fluoroquinolonen und Kortikosteroiden (Lancet 2021); RR = 2,3 (1,8–2,9) für >60-Jährige (JAMA 2020). Doch die klinische Praxis ignoriert dies. Warum? Weil die Zeit pro Patient 7,2 Minuten beträgt (BMJ 2022). Die Systemstruktur zwingt Ärzte, schnell zu handeln. Die Verantwortung wird auf den Patienten abgewälzt: „Haben Sie den Beipackzettel gelesen?“ Ja. Aber wer versteht das? Und wer hat die Zeit, es zu recherchieren? Das ist kein Patientenversagen. Das ist Systemversagen.
Jens Lohmann
Ich hab das vor 3 Jahren erlebt. Meine Mutter, 72, bekam Cipro wegen einer Blasenentzündung. Nach 5 Tagen konnte sie nicht mehr aufstehen. Kein Sport, kein Laufen, nur aus dem Bett rutschen. Sie hat nie wieder richtig laufen können. Ich hab dann angefangen, mich zu informieren. Und ich sag dir: Jeder, der ein Antibiotikum kriegt, sollte erstmal fragen: „Was passiert, wenn ich das nicht nehme?“ Nicht: „Was passiert, wenn ich es nehme?“ Die Medizin hat vergessen, dass manchmal weniger mehr ist. Du bist kein Problem, das behandelt werden muss. Du bist ein Mensch, der heilen kann. Und manchmal braucht der Körper nur Ruhe. Nicht Chemie.
Carolin-Anna Baur
Das ist genau der Grund, warum man keine Antibiotika ohne Rezept nehmen sollte. Und warum Ärzte nicht einfach alles verschreiben dürfen. Jeder, der hier sagt, er hätte es gut überstanden, hat Glück gehabt. Glück ist keine Medizin. Und wer das vergisst, ist gefährlich.